(wieder einmal die Zukunft)
Der guten Tradition halber an dieser Stelle ein paar (eher harmlose) Prognosen für das aktuelle Jahr, das immerhin den Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhundert markiert (in diesem Jahr spielt bekanntlich der 2. Teil von Arthur C. Clarke's Odyssey im Weltraum - die Gegenwart hat die Zukunft wieder einmal überholt). 2010 wird, zu mindestens was das Thema Microsoft angeht, wieder einmal ein Jahr der großen Releases sein. In diesem Jahr kommen unter anderem:
Eine beeindruckende Liste. Dennoch wird sich keines dieser Releases sehr stark auf aktuelle Projekte auswirken oder gar zu einem der vielzierten "Paradigmenwechsel" führen, da nüchtern betrachtet einige Neuerungen lediglich Antworten auf Fragen sind, die bislang nur wenige Entwickler gestellt haben. Das beste Beispiel ist für mich die Möglichkeit Programmcode parallel auszuführen zu können, die mit .NET 4.0 Realität werden wird. Diese Herausforderung existiert nicht erst seit dem es Multicore-CPUs bei Aldi&Co gibt, sondern (mindestens) bereits seit Mitte der Achtziger Jahre (Stichwort: Transputer und Occam). Theoretisch ist die parallele Ausführung aus Performance-Gründen eine wünschenswerte Verbesserung, für die Mehrheit der Anwendungen, die heutzutage unter .NET umgesetzt werden, dürfte dieser Aspekt aber noch keine Rolle spielen. Aus diesem Grund ist es zwar wichtig, dass es (endlich) eine entsprechende Unterstützung gibt, Code parallel auszuführen zu können, es wird aber Jahre dauern bis die Mehrheit der .NET-Entwickler das für ihre eigene Anwendungen nutzt (von der Möglichkeit, LINQ-Abfragen parallel auszuführen zu können einmal abgesehen).
Cloud-Computing?
Die Branche braucht bekanntlich ihre Buzz-Wörter. Aktuell ist Cloud-Computing Buzz-Wort Nr. 1. Am 1.1.2010 ging Microsoft Azure offiziell an den Start - die ersten 4 Wochen sind kostenlos, danach wird jeder CPU-Takt und jede Speicherzelle, die die eigene Anwendung in der Wolke verbrät, abgerechnet. Aber, Azure ist Realität und jeder kann seine Anwendung in der Wolke hosten. Wie es Don Box und Chris Anderson auf der PDC 09 in einer netten Demo (etwa ab 1:05:30 - ansonsten wird man noch mit Bob Muglia konfrontiert;) während der Keynote des 1. Tages gezeigt haben, kann dies sogar ein C++-Programm sein. PHP ist ebenfalls Willkommen. "Love all, serve all" ist das neue Motto bei Microsoft. Auch wenn Microsoft irrsinnige Summen in die Infrastruktur investiert (alleine das erste DataCenter in Chicago kann über 200.000 Server aufnehmen) wird sich das Thema nur langsam entwickeln, da es viele der Anwendungen noch gar nicht gibt, die von einer frei skalierbaren Rechenleistung profitieren können und der Sicherheitsaspekt gerade in Deutschland noch viele Verantwortliche davon abhält über diese Option überhaupt nachzudenken.
64 Bit?
Wird 2010 das Jahr für den Wechsel auf 64 Bit? Sicher nicht. Es gab eine Zeit, da stand 16 Bit in der Computerszene für Fortschritt und Aufbruchstimmung, ähnlich Web 2.0 (es gab in den guten, alten 80ern sogar eine Band, die so hieß;). Heutzutage dürften selbst viele Entwickler nicht genau wissen, ob ihr PC über eine 32- oder 64-Bit-CPU verfügt. Dazu ein kurzer Exkurs. Der folgende PowerShell-Befehl findet es über eine WMI-Abfrage heraus:
(Gwmi win32_processor | Select description) -match "x64"
Diese Abfrage liefert auf meinem ThinkPad X300 übrigens ein $true, so dass ich offenbar ebenfalls glücklicher Besitzer einer 64-Bit-CPU bin.
Zwar macht Microsoft mit seiner Ankündigung ernst, dass es künftige Server-Versionen nur als 64 Bit-Versionen geben wird (bzw. bereits gibt), doch solange es keine 64-Bit-Version von Visual Studio gibt, wird auch das Thema 32/64-Bit für Entwickler keine allzu große Rolle spielen.
Touch und Surface?
Während also im Bereich der (.NET-) Entwicklung in diesem Jahr vermutlich keine sensationellen neuen Trends entstehen werden, sieht es im Hardwarebereich ganz anders aus, wo nicht zuletzt dank Windows 7, aber auch der rasanten Entwicklung bei den mobilen Geräten wieder eine richtige Aufbruchstimmung zu spüren ist. 2010 könnte den Durchbruch für TouchDisplays bedeuten(natürlich ist auch diese Technik alles andere als neu, selbst für den legendären C64 gab es damals eine Art mit Sensoren ausgestattete Folie zu kaufen, die man auf den 12"-Bildschirm kleben musste). Mir gefällt die Auswahl per Fingerdruck und vor allem Fingerbewegung (etwa auf meinem iPod Touch) deutlich besser als die per Maus. Ich kann mir einige Anwendungen vorstellen, die sich mit den Fingern deutlich angenehmer bedienen lassen als mit der Maus. Wer einmal eine Weile mit einem Microsoft Surface-Gerät gespielt hat, sieht die Beschränkheiten der modernen Benutzeroberflächen auf einmal sehr klar und entdeckt völlig neue Möglichkeiten der Benutzerinteraktion. Da steckt großes Potential dahinter (sehr empfehlenswert ist ein Vortrag auf der PDC 09 zu diesem Thema - alleine wegen der Demo, wo jemand ein Glas auf eine Surface-Oberfläche stellt und das Programm erkennen kann, ob das Glas oder leer ist - was das alleine in der Gastronomie für Möglichkeiten eröffnet:). Programmiert werden Touch- und Surface-Oberflächen (natürlich) mit WPF.
WPF!
Alleine aus diesem Grund wird 2010 für mich das Jahr von WPF. WPF ist nicht ganz einfach zu erlernen und erfordert gerade für erfahrene WinForms-Entwickler eine gewisse "Leidensfähigkeit", da man sich so manches Mal fragt, ob das wirklich die Zukunft ist (ich sitze gerade an meinem Visual Basic 2010-Kompendium, in es natürlich zu 100% um WPF gehen wird, und habe entsprechende "Leidensstrecken" hinter mir und sicher noch etliche vor mir). Auch wenn WPF 4.0 gegenüber WPF 3.51 nicht allzu viel Neues bringt und viele Entwickler noch Vorbehalte haben dürften, hier gilt wieder einmal das Motto: Wer jetzt noch wartet, verliert ganz einfach kostbare Zeit.
Dazu ein Tipp: Auf der Basta! Spring wird es auf den Visual Basic Days wieder ein paar sehr gute Vorträge zu diesem Thema geben.
Insgesamt wird 2010 für die IT-Branche, insbesondere für Entwickler, ein gutes Jahr werden. Insbesondere für jene, die bereits vor 2-3 Jahren auf die richtigen Themen gesetzt haben. Vorauszuschauend zu planen ist daher meine Empfehlung nicht nur für dieses Jahr.
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