(Speaker = Sprecher)
Pünktlich zum Herbstbeginn findet auch dieses Jahr wieder die Basta!-Entwicklerkonferenz statt (es müsste die 15te inzwischen sein, dies nachzuzählen ist ähnlich schwierig wie die wahre Versionsnummer von Windows 7 zu ermitteln - hätte man von Windows 1.0 beginnend eine vernünftige Zählweise beibehalten, wäre man inzwischen auch in etwa bei 15 angekommen). Das Programm steht bereits seit Wochen fest und macht auch einen thematisch sehr interessanten Eindruck. Wie üblich sind alle wichtigen Themen vertreten (und von den üblichen Experten der Branche dürfte kaum jemand fehlen, was für die Konferenz spricht). Mit Jeffrey Richter wurde sogar eine regelrechte Windows Entwickler-Legende für die Keynote gewonnen.
Ich war als "Track Chair" für die inhaltliche Gestaltung der (beiden) Visual Basic Days vom 23. bis 24. zuständig, mein Dank an dieser Stelle für die Unterstützung durch Alex Bierhaus, Benjamin Gopp und Jörg Neumann, die mit ihren Vorträgen dem Ganzen Qualität und Praxis-Know-how verleihen (es ist außerdem sehr nett von den Veranstaltern, dass "wir" dieses Mal nicht zeitgleich zu den C# Days antreten müssen - man kann also zuerst dem 1. Teil es C# Day beiwohnen, feststellen, dass das alles nichts ist und dann beruhigt am nächsten Tag zur Kenntnis nehmen, dass es mit Visual Basic .NET eine hervorragende Alternative gibt ).
Ich werde auf den Visual Basic Days am Mittwoch und Donnerstag folgende Vorträge halten:
> Moderne Visual Basic-Programmierung
In Visual Basic programmiert "man" nicht mehr so wie es früher (bis zur Version 6.0) der Fall war. Damit ist weniger der Umstand gemeint, dass mit .NET alles ein Objekt ist, sondern dass mit .NET 3.5 und VB 9.0 erste Ansätze einer funktionalen Herangehensweise erkennbar sind, dass mit LINQ eine vollkommen neue Art mit (beliebigen) Daten umzugehen zur Verfügung steht, und dass es praktisch Pflicht ist sich mit Themen wie Entwurfsmuster, Test-Verfahren (Stichwort: Unit-Testing) und was den Entwurf der Oberfläche angeht mit dem zentralen Modell View Controller Pattern (MVC) auszukennen. Auch wenn ein Vortrag über 75 Minuten keine seit Jahre schlummernden Defizite beheben kann, kann er ein paar Denkanstöße geben. Er soll vor allem das Bild der modernen Visual Basic-Programmierung zurecht rücken. Die Visual Basic-Programmierung ist kein "Biotop", in dem die Zeit stehen geblieben ist. Auch, oder vor allem, Visual Basic-Programmierer sollten das Potential, das Ihnen Sprache und Framework (nicht erst seit gestern) bieten, voll ausschöpfen.
> Moderner Umgang mit XML
System.Xml war gestern, seit .NET 3.5 gibt es mit System.Xml.Linq einen deutlich programmiererfreundlicheren Satz von Klassen für das Auswerten und Erstellen von XML-Dokumenten, der in Hinblick auf LINQ "optimiert" wurde. Zusätzlich bietet VB 2008 SP1 die Möglichkeit, aus einem beliebigen XML-Fragment eines oder mehrere Schema abzuleiten, so dass z.B. im Rahmen einer LINQ-Abfrage Intellisense angeboten werden kann. In dem Vortrag zeige ich, was die Klassen in System.Xml.Linq zu bieten haben und wie sich XML-Daten, die z.B. von irgend woher aus dem Web kommen können, elegant und typisiert weiterverarbeiten lassen.
> Von Windows Forms nach WPF
Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, spätestens seit .NET 3.5 SP1 (offiziell natürlich bereit seit .NET 3.0) steht für mich fest, dass WPF der rechtmäßige Nachfolger von Windows Forms ist. WPF bietet viele Vorteile und einen Nachteil: Es stellt ein komplett neues Programmiermodell dar, bei dem teilweise andere Regeln gelten als beim eher "gemütlichen" Windows Forms. Der Lern- und Einarbeitungsaufwand darf nicht unterschätzt werden (ein bekannter WPF-Experte sagte, dass es Jahre dauern kann bis das man alles verstanden hat). Dennoch, an WPF geht kein Weg vorbei. Früher ist daher besser als später, auch wenn die Versuchung groß ist, beim nächsten Projekt wieder auf das vertraute Windows Forms zu setzen (meine Windows Forms-Bücher habe ich vor ein paar Monaten recycelt - mein nächstes Visual Basic-Kompendium wird natürlich auf WPF aufsetzen). In meinem Vortrag stelle ich WPF Windows Forms gegenüber und gehe vor allem auf das wichtige Thema "Data Binding" ein.
> VB 10 oder lieber gleich C#? (der Termin verschiebt sich möglicherweise noch)
Visual Basic ist zwar besser als sein Ruf, aber eventuell liebäugelt doch mancher mit einem Wechsel zu C# (alleine, um sich von seinen Kollegen beim Mittagessen nicht immer dieselben Kommentare anhören zu müssen). C# ist leichter als sein Ruf und hat eindeutig seine Reize. In meinem Vortrag stelle ich beide Sprachen gegenüber und gebe einen kurzen Überblick über die Syntax, nicht ohne aber auf die Vorzüge von Visual Basic an passender Stelle hinzuweisen (falls sich jemand am Ende gar nicht entscheiden kann, es gibt sehr leistungsfähige Code-Konverter in beide Richtungen, z.B. in Sharp Develop, einer IDE, die ich sehr schätze und gegenüber den Express Editionen vorziehe).
Neben meinen Vorträgen gibt es natürlich noch mit Sicherheit tolle Visual Basic-Vorträge von Alex Bierhaus, Benjamin Gopp, Jörg Neumann usw. (es kann durchaus sein, dass es weitere VB-Vorträge gibt, die aus welchen Gründen auch immer nicht bei den VB Days angesiedelt wurden). Alles Weitere zu den Vorträgen nicht nur der Visual Basic Days findet man im Zeitplaner der Konferenz.
Es wird also wieder einmal einiges geboten auf der Basta! (das darf man schließlich auch erwarten).
Eigentlich hatte ich noch gehofft, Daniel Walzenbach als Speaker gewinnen zu können (der in Redmond angeblich an einem "supergeheimen" Projekt arbeitet, dass die Welt der Visual Basic-Programmierung revolutionieren soll), doch Daniel hat sich nach seiner "Zusage" nicht mehr gemeldet (Daniel, wenn Du das hier liest, bitte melde Dich mal...;).
Und da wäre noch...
Als weiteres Highlight für Entwickler findet auch in diesem Jahr eine Microsoft PDC statt (vom 17. bis 19. November wie üblich im Los Angeles Convention Center, direkt neben dem Staples Center in Downtown L.A.), wobei ich mir im Moment aber noch nicht sicher bin, was ich davon halten soll. Nicht nur, dass die Konferenz mit 3 Tagen recht kurz ist (ok, es ist ein Pre-Conference-Day dabei, aber im Allgemeinen geht die Konferenz am letzten Tag nur bis zum Nachmittag), etwas mehr "Sorgen" bereitet mir die im Moment noch recht diffuse Themenzusammenstellung und der Umstand, dass es "außer" Azure 1.0 und "Silverlight 4" nicht viel Neues zu geben scheint (.NET 4 und VS 2010 sind im Herbst keine Neuigkeiten mehr, zumal sie schon auf der letzten PDC angekündigt wurden). Sollte bei Microsoft was die Technologie-Themen angeht im Moment ein wenig die Luft raus sein? Schlecht wäre eine solche "Pause" nicht, denn mit .NET 4 (Stichwort: Parallele Programmierung, WPF usw.) stehen genug Themen an, mit denen sich die Entwickler in den nächsten 1-2 Jahren intensiv beschäftigen müssen.
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